1 Jahr danach
Da ich nicht weiß, wann mein Sohn genau starb, nehme ich den 26.11 als seinen Todestag.
Am 25.11.2006 war mein Junge auf dieser Party, die er in der Nacht zum 26.11 angeblich um 3.30 Uhr verließ, also da defenetiv noch lebte. Da von da ab jede Spur von Andreas fehlte, muß ich davon ausgehen, das ihm in dieser Nacht zum 26.11.2006 irgend etwas zugestossen ist, was bis heute ein Rätsel blieb.
Ich werde solange ich lebe nicht aufgeben nach Antworten zu suchen, denn das etwas nicht mit rechten Dingen zugegangen ist, weiß ich mit Bestimmtheit, denn sonst wäre unser Sohn heim gekommen, zu uns und seinem kleinen Bruder, den er über alles liebte.
Wenn ich das letzte Jahr Revue passieren lasse, denke ich oft alles ist nur ein böser Traum, aus dem ich gleich erwache und alles würde wie früher sein- Andreas wäre noch bei uns.
Am 26.11.2006 habe ich ununterbrochen versucht meinen Sohn auf seinem Handy zu erreichen aber es ging immer die Mailbox rein, auf der ich ihm Nachrichten sprach, wo er denn bleibe, wir würden auf ihn warten- keine Antwort.
Am 27.11.2006 erstattete ich Vermisstenanzeige bei der Polizei in Gernsbach.
Es folgten Tage und Nächte, die ich nicht beschreiben möchte, sie waren ganz einfach nur grausam.
Wir haben Andreas überall gesucht, seine Familie, seine Freunde haben Vermisstenplakate im ganzen Bundesgebiet und darüber hinaus verteilt, die Kriminalpolizei berichtete im Rundfunk über Andreas, doch keine Spur von ihm.
Am 13.12.2006 wurde uns von der Kriminalpolizei Rastatt mitgeteilt, das man eine männlche Leiche aus dem Rhein, bei Ludwigshafen/Mainz geborgen hat und es vermutlich Andreas wäre. Man müsse ihn obduzieren, sie würden sich dann wieder bei uns melden.
Am Nachmittag sagte man mir dann telefonisch, das es Andreas sei, der knapp 140 Kilometer von zuhause aufgefunden wurde.
Ich kann nicht beschreiben was ich in diesem Moment empfand, ich dachte mein Herz würde aufhören zu schlagen und ich bekam keine Luft mehr. Ich wollte nicht glauben, das es mein Junge ist, sagte, nein, nein das ist eine Verwechslung, ihr werdet sehen, gleich kommt Andreas heim, aber er kam nicht heim--NIE MEHR
Am 20.12.2006 war die Beerdigung meines Sohnes, gibt es etwas schlimmeres für eine Mutter, als seinem Kinde ins Grab schauen zu müssen....Nur vollgepumpt mit Valium habe ich diesen Tag überstanden. Ich weiß nicht wer mir alles die Hand schüttelte, weiß nicht was der Pfarrer predigte, hörte nur das Lied November Rain in der Kirche, das zuvor immer aus Andreas Zimmer klang....
Vier Tage nach der Beerdigung war Weihnachten und der Geburtstag von Daniel.
Daniel verstand überhaupt nicht warum sein großer Bruder nicht mehr da war, er sagte Papa Du mußt mit Andreas schimpfen damit er wieder heim kommt, warum holst du Andreas nicht....
Es zerreisst einem das Herz solche Worte aus dem Munde eines dreijährigen Kindes zu hören, er wollte doch nur seinen Andy wieder zurück.
Am Grab umarmt Daniel jedesmal das Kreuz und sagt Andy ich liebe Dich, dabei muß ich mich immer abwenden, damit er meine Tränen nicht sieht.
Einmal meinte Daniel, als er vor dem Grab stand. Mama hat Andy noch Aua, ich sagte nein, Andreas geht es gut, er ist jetzt bei den Engeln und passt auf uns auf.
Da sagte Daniel, wenn es ihm jetzt gut geht, dann kann er ja wieder heim kommen...
Wie soll man einem fast vierjährigen Buben erklären was Tod bedeutet, das es etwas endgültiges ist und er seinen Bruder, in diesem Leben, nie mehr wiedersehen wird.
Für mich und meine Familie ist Andreas so lebendig wie eh und je, ich rede mit ihm, sage ihm gute Nacht, begrüsse ihn mit einem guten Morgen, so als wäre er immer noch da. Und er ist ja auch immer da, immer in unseren Herzen, immer in unseren Gedanken.
Wenn man mir schon mein Kind nimmt, warum dann auf so mysteriöse Art und Weise. Reicht es nicht mit dem ganzen Schmerz klar kommen zu müssen. Diese Ungewissheit ist grausam. Nicht wissen zu dürfen wie die letzten Minuten im Leben Deines Kindes waren.
Das wünsche ich keiner Mutter auf dieser Welt.
Da ich heraus finden möchte wie, warum, wo und wann mein Sohn starb, blieb mir nichts anderes übrig als einen Anwalt zu nehmen, denn ohne Anwalt bekomme ich sonst keine Akteneinsicht. So bekam ich die 504 Seiten Spuren-und Beiakten und den ausführlichen Obduktionsbericht. Ich muß euch wohl nicht erklären wie es ist, lesen zu müssen wo sie bei Deinem eigenen Kind das Skalpell angesetzt haben, wie schwer seine inneren Organe waren und am Schluß drei Bilder Deines Sohnes zu sehen, wie sie ihn am Rhein aufgefunden haben.
Während ich die Akten las mußte ich immer wieder aus dem Zimmer rennen und schreien, mir wurde übel und ich dachte es nicht tragen zu können, doch ich bin es Andreas schuldig herauszufinden was mit ihm geschehen ist. Die Liebe einer Mutter zu ihrem Kind läßt sie ungeahnte Kräfte bekommen.
Ich weiß, das ich seit dem Tod meines Jungen um zehn Jahre gealtert bin und trotzdem würde ich alles wieder so machen und ich weiß, wenn es einen Herrgott gibt, wird er mir helfen, damit in Andreas Akte nicht mehr UJS (ungeklärte Justizssache) steht.
Eine kleine Bitte hätte ich noch, stellt keine Mutmaßungen über den Tod von Andreas an, sollten wir etwas in Erfahrung bringen können, erfährt ihr es hier auf seiner Gedenkseite aus erster Hand.
Zum Schluß noch einen Dank für all diejenigen, die Andreas bis heute nicht vergessen haben und weiterhin zu seinem Grab gehen und Blumen und Gedichte ablegen.
Ihr glaubt garnicht, wenn ich zum Grab meines Sohnes komme, und das fast täglich, wie schön es ist, zu sehen das Andreas auch in euren Herzen weiter lebt.
Ausserdem danken möchte ich den Freunden meines Sohnes, die uns noch immer besuchen und nachschauen wie es uns geht, die anrufen, SMS oder Emails schreiben. Ihr gebt uns die Kraft nicht aufzugeben.
Nie wieder werden meine Arme Dich drücken können,
Nie wieder gibt es einen Geburtstag mit Dir,
Nie wieder kann ich deine Stimme hören,
Nie wieder höre ich Musik aus Deinem Zimmer
Nie wieder wirst Du mich anrufen,
Nie wieder als “Großer” Bruder Dich kümmern,
Nie wieder wirst Du mit meinem Auto fahren,
Nie wieder werde ich Dein spitzbübisches Lachen hören
Nie wieder werde ich dass Strahlen deiner Augen sehen ,
irgendwann gibt ein wieder…...........
ein “Wiedersehen” mit Dir.
Dann lasse ich Dich nie wieder los!
BIS AN LEBENSENDE
MÜSSEN WIR OHNE UNSEREN SOHN ANDREAS WEITER LEBEN!
BIS ANS LEBENSENDE
WIRD DANIEL SEINEN BRUDER VERMISSEN.
FÜR IHN IST ES BESONDERS SCHWER. ER MUSS VÖLLIG UNVERSCHULDET OHNE SEINEN ANDY AUFWACHSEN.
ER HAT NICHT NUR SEINEN BRUDER VERLOREN; SONDERN AUCH SEINE UNBESCHWERTEN; LUSTIGEN ELTERN
BIS ANS LEBENSENDE
MÜSSEN WIR NUN MIT DER ANGST UMGEHEN, ES KÖNNTE JEDERZEIT WIEDER PASSIEREN, ES KÖNNTE UNS NOCH UNSER VERBLIEBENER SOHN GENOMMEN WERDEN.
BIS ANS LEBENSENDE
WERDEN ALPTRÄUME BLEIBEN!
BIS ANS LEBENSENDE
WERDEN GROßELTERN, VERWANDTE, FREUNDE DIE TRAUER MIT SICH TRAGEN UND DIESE TRAGÖDIE NIE VERGESSEN.
BIS ANS LEBENSENDE
WERDEN WIR, DIE ELTERN UND DANIEL AUF ANTWORTEN HOFFEN; WAS IN JENER NACHT GESCHEHEN IST.
BIS ANS LEBENSENDE WERDEN WIR NICHT AUFGEBEN, DIESE ANTWOTEN ZU FINDEN.
Dankbar bin ich allen,
die mir jetzt nicht ausweichen.
Dankbar bin ich für jedem,
der mir einmal zulächelt
und mir seine Hand reicht,
wenn ich mich verlassen fühle.
Dankbar bin ich denen
die mich immer noch besuchen,
obwohl sie Angst haben,
etwas Falsches zu sagen.
Dankbar bin ich allen,
die mir erlauben,
von meinem Sohn zu sprechen.
Ich möchte meine Erinnerungen
nicht totschweigen.
Dankbar bin ich allen,
die mir zuhören,
die mich trösten,
die mich nicht ändern wollen,
sondern geduldig so annehmen,
wie ich jetzt bin